Iranisches Komitee „24. April“


Am 24. April 1915 ließ die regierende Partei „Komitee für Einheit und Fortschritt“ (kurz: Jungtürken) über 700 prominente Armenier in der osmanischen Türkei verhaften, darunter Intellektuelle, bekannte Schriftsteller, Künstler, Politiker aus der armenischen Gemeinschaft zu Konstantinopel. Sie wurden gefoltert, ermordet bzw. in das Innere Anatoliens deportiert, wo die restlichen Opfer ermordet wurden. Diese Geschehnisse gelten als Auftakt des Völkermordes und der Deportation der Armenier, die in West-Armenien bzw. in den übrigen Gebieten des Osmanischen Sultanats lebten.

Zunächst schwieg die Weltöffentlichkeit über dieses Verbrechen, das auch als erster großmaßstäbiger Völkermord des 20. Jahrhunderts bezeichnet wurde. Doch die Überlebenden und ihre Nachfahren, die über die ganze Welt verstreut Zuflucht gefunden hatten, rufen jährlich am 24. April die Erinnerung an diesen Völkermord wach, indem sie seiner Opfer gedenken und die Weltgemeinschaft über die damaligen Verbrechen informieren.

Dank dieser Erinnerungsfeierlichkeiten und der Veranstaltungen aus Anlass des Völkermordes sind zahlreiche Historiker und andere Forscher, viele Organisationen und Gremien, darunter auch internationale Menschenrechtsorganisationen, darauf aufmerksam geworden. Sie begannen, selbst zu forschen und die Informationen weiter zu geben. Das Ergebnis ihrer Forschungen sind Tausende Zeugnisse und Beweise in mehreren Sprachen. Die Tatsache des Völkermordes bestätigten etliche internationale Organisationen, Gremien und Tribunale, die das Verbrechen verurteilten und vom türkischen Staat verlangten, sich seiner Geschichte zu stellen und Wege zu finden, um mit den Armeniern einen Dialog zu führen und einen Weg zur Aussöhnung zu suchen.

Außerdem nahm in den letzten Jahren kontinuierlich die Zahl türkischer Intellektueller, Schriftsteller und Wissenschaftler zu, denen die Dimension der historischen Verbrechen an den Armeniern bewusst geworden ist. Obwohl es gesetzlich verboten ist (z.B. Artikel 301 StGB), öffentlich den Genozid zu erwähnen, kritisieren sie ihren Staat wegen seiner strikten Ignoranz gegenüber den Tatsachen.

Obwohl dieses historische Verbrechen in unmittelbarer Nachbarschaft des Iran geschah, wissen die Iraner es im Allgemeinen davon nichts oder nur wenig. Erst in den vergangenen letzten zwei Jahrzehnten sehen wir ab und an und zufällig in der Presse oder anderen iranischen Massenmedien Veröffentlichungen zu diesem Thema. Glücklicherweise erleben wir, wie dieses Thema in den letzten Jahren zunehmend die Aufmerksamkeit iranischer Intellektueller findet, sowohl innerhalb des Iran, als auch im Ausland.

Ziel der Gründung der Webseite des Iranischen Komitees „24. April“ ist es, in erster Linie Informationen in persischer Sprache für die iranische Gesellschaft bereit zu stellen. Die Bedeutung der Information über den Völkermord an den Armeniern liegt nicht allein in der historischen Dimension, sondern könnte gerade für die konfliktgeladene Kaukasusregion eine positive Bedeutung erlangen. Wir als Gründer dieser Webseite sind überzeugt, dass ohne Kenntnis und Verurteilung des Genozids an den Armeniern die heutigen Konflikte unlösbar bleiben und keine Hoffnung auf Frieden und Versöhnung in der Kaukasusregion besteht.

Wir hoffen, mit unserem Vorhaben, so gering es auch sein mag, einen Schritt in die richtige Richtung zu tun.